Warum treten die Venen an den Händen bei manchen Menschen so stark hervor? Das steckt häufig dahinter

Mit zunehmendem Alter verändert sich die Haut. Sie kann dünner werden und an Elastizität verlieren. Gleichzeitig verändert sich das Fettgewebe unter der Haut. Dadurch treten Strukturen hervor, die früher stärker verdeckt waren. Neben Sehnen und Knochen gehören dazu eben auch die Venen.

Deshalb haben ältere Menschen häufig wesentlich sichtbarere Handvenen als jüngere.

Wenn man alte Familienfotos betrachtet, kann dieser Unterschied manchmal erstaunlich deutlich werden. Hände, die mit 30 noch relativ glatt wirkten, können Jahrzehnte später viel stärker strukturierte Konturen zeigen. Das gehört bei vielen Menschen schlicht zum normalen Alterungsprozess.

Hinzu kommt die jahrelange Belastung der Hände. Wir benutzen sie jeden Tag, tragen Dinge, arbeiten, kochen, putzen, tippen und greifen. Gleichzeitig sind sie regelmäßig Sonne und Wetter ausgesetzt. Gerade UV-Strahlung beeinflusst langfristig die Hautstruktur. Auch deshalb können Blutgefäße mit zunehmendem Alter optisch stärker hervortreten.

Interessanterweise kann das Aussehen sogar innerhalb eines einzigen Tages schwanken. Morgens wirken die Hände möglicherweise völlig unauffällig, nach einem Spaziergang bei 30 Grad stehen die Venen deutlich hervor und am Abend sehen sie wieder anders aus.

Genau deshalb sollte man nicht allein aufgrund eines einzelnen Blicks auf die Hände sofort vom Schlimmsten ausgehen.

Was Genetik, Sport und Körpergewicht damit zu tun haben

Schaut man sich die Hände verschiedener Familienmitglieder an, entdeckt man manchmal erstaunliche Ähnlichkeiten. Das ist kein Zufall. Unsere genetische Veranlagung beeinflusst unter anderem Hautbeschaffenheit, Körperbau und den Verlauf oberflächlicher Gefäße.

Wenn Eltern oder Großeltern schon immer sehr sichtbare Venen an Händen und Armen hatten, kann es gut sein, dass dies auch bei den nächsten Generationen auftritt.

Bei sportlichen Menschen kommt ein weiterer Faktor hinzu. Durch regelmäßiges Krafttraining wächst die Muskulatur und bei niedrigem Körperfettanteil sind oberflächliche Venen besonders gut sichtbar. Nach dem Training verstärkt sich dieser Effekt vorübergehend häufig noch.

Bodybuilder kennen dieses Phänomen sehr gut. Dort wird eine starke Sichtbarkeit der Venen teilweise sogar bewusst angestrebt. Was auf jemanden, der wenig Sport treibt, möglicherweise ungewöhnlich wirkt, ist bei gut trainierten Menschen also häufig ein völlig erwartbares Erscheinungsbild.

Auch Gewichtsveränderungen können einen Unterschied machen. Wer beispielsweise über längere Zeit Gewicht verliert, bemerkt manchmal zuerst an Gesicht und Händen, dass bestimmte Konturen stärker sichtbar werden. Die Venen waren vorher ebenfalls vorhanden, lagen optisch jedoch unter einer dickeren Gewebeschicht verborgen.

Umgekehrt können sie bei einer Gewichtszunahme weniger deutlich erscheinen.

Selbst die Hautfarbe beeinflusst, wie stark wir Venen wahrnehmen. Je nach Pigmentierung und Hautdicke können Gefäße optisch mehr oder weniger auffallen. Auch Beleuchtung spielt eine Rolle. Unter hellem Licht oder auf Fotos können Adern wesentlich ausgeprägter wirken als in Wirklichkeit.

All diese Faktoren zeigen, warum man allein anhand eines Fotos kaum beurteilen kann, ob sichtbare Venen ungewöhnlich sind.

Wann man genauer hinschauen sollte

Es gibt allerdings einen wichtigen Unterschied zwischen einfach nur sichtbaren Venen und plötzlich auftretenden Beschwerden.

Wenn die Venen an beiden Händen seit langer Zeit ähnlich aussehen und weder Schmerzen noch andere Beschwerden vorhanden sind, steckt häufig eine harmlose Erklärung dahinter. Anders sieht es aus, wenn eine deutliche Veränderung plötzlich auftritt.

Besonders aufmerksam sollte man werden, wenn eine Hand oder ein Arm neu und deutlich anschwillt, die Haut ungewöhnlich rot oder warm wird oder starke Schmerzen auftreten. Auch eine verhärtete, schmerzhafte Vene sollte medizinisch beurteilt werden.

Dasselbe gilt, wenn eine auffällige Veränderung nach einer Verletzung entstanden ist oder zusammen mit anderen ungewöhnlichen Beschwerden auftritt.

Der entscheidende Punkt ist also weniger: „Kann ich meine Venen sehen?“, sondern vielmehr: Hat sich etwas plötzlich verändert und treten gleichzeitig Beschwerden auf?

Das ist ein Unterschied, der in vielen Beiträgen im Internet leider verloren geht. Ein dramatisches Foto von stark hervortretenden Venen bekommt natürlich mehr Aufmerksamkeit als die nüchterne Aussage, dass sichtbare Handvenen bei vielen Menschen normal sind.

Dabei kann gerade die dramatische Darstellung unnötig verunsichern.

Wer seit Jahrzehnten sichtbare Venen besitzt, muss aufgrund eines Fotos im Internet nicht plötzlich Angst bekommen. Der eigene Verlauf ist wesentlich aussagekräftiger. Wenn die Hände schon immer ähnlich aussahen und keine Beschwerden bestehen, ist das etwas völlig anderes als eine neu aufgetretene, einseitige Schwellung.

Bei Unsicherheit ist ein Arzt natürlich der richtige Ansprechpartner. Besonders wenn sich etwas schnell verändert, sollte man nicht versuchen, anhand von Bildern oder Kommentaren in sozialen Netzwerken selbst eine Diagnose zu stellen.

Kann man hervortretende Handvenen verhindern?

Diese Frage wird überraschend häufig gestellt, obwohl sichtbare Venen in vielen Fällen überhaupt nichts sind, was behandelt oder verhindert werden müsste.

Wenn sie durch Genetik, Alter oder einen niedrigen Körperfettanteil sichtbar sind, handelt es sich zunächst um ein körperliches Merkmal. Eine Creme kann beispielsweise keine oberflächlich verlaufende Vene plötzlich tiefer unter die Haut verschieben.

Was man allerdings tun kann, ist seine Haut grundsätzlich gut zu pflegen und vor übermäßiger Sonneneinstrahlung zu schützen. Das ist unabhängig von sichtbaren Venen sinnvoll.

Auch ausreichend zu trinken und starke Hitze zu vermeiden, wenn man sie schlecht verträgt, gehört zu den normalen Maßnahmen für das allgemeine Wohlbefinden. Man sollte daraus aber keine vermeintliche „Behandlung gegen sichtbare Venen“ machen.

Nach körperlicher Belastung verschwinden besonders hervortretende Venen häufig von selbst wieder etwas, sobald der Körper zur Ruhe kommt und abkühlt.

Manche Menschen stören sich aus kosmetischen Gründen trotzdem daran. In diesem Fall sollte man nicht mit irgendwelchen Hausmitteln experimentieren, die im Internet versprechen, Venen innerhalb weniger Tage „verschwinden“ zu lassen. Wenn das Erscheinungsbild tatsächlich stark belastet, kann man sich fachärztlich beraten lassen und klären, welche Möglichkeiten überhaupt sinnvoll und vertretbar sind.

Für die meisten Menschen besteht dazu allerdings überhaupt kein Anlass.

Ich sehe das inzwischen deutlich entspannter. Hände verändern sich eben. Manchmal sind die Venen morgens kaum sichtbar und nach einem heißen Tag deutlich ausgeprägt. Bei manchen Menschen beginnt das schon in jungen Jahren, bei anderen erst später. Und wieder andere haben selbst im höheren Alter kaum sichtbare Adern.

Unser Körper sieht nicht jeden Tag exakt gleich aus.

Was man sich deshalb merken kann: Deutlich sichtbare Venen an den Händen sind für sich allein häufig kein Warnsignal. Wärme, Sport, wenig Unterhautfett, Genetik und das Alter können sie stärker hervortreten lassen. Entscheidend wird es vor allem dann, wenn eine Veränderung neu oder einseitig auftritt oder von Schmerzen, deutlicher Schwellung, Rötung, Wärme oder anderen Beschwerden begleitet wird. Dann sollte man die Ursache medizinisch abklären lassen, statt sich auf Vermutungen aus dem Internet zu verlassen.

Vielleicht schauen nach diesem Artikel einige Leser direkt auf ihre Hände. Bei mir war es jedenfalls so. Und plötzlich fällt einem auf, wie unterschiedlich unsere Hände eigentlich aussehen.

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